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Buchrain
5. Februar 2007
Tsunamis, Dürren, Wirbelstürme, Waldbrände -- wenn das Wetter zunehmend verrückt spielt, muss irgendwann auch der Letzte seine Vogel-Strauss-Taktik aufgeben und der Realität ins Auge sehen. So sind sich immerhin neun von zehn Menschen weltweit inzwischen der globalen Erwärmung bewusst. Allerdings betrachten weitaus weniger -- nämlich nur 57 Prozent -- diesen Umstand als „äußerst ernstes Problem“.
Zu diesem Ergebnis kommt der neuste ACNielsen Online Consumer Opinion Survey, die größte zweimal pro Jahr durchgeführte Studie ihrer Art. In 46 Ländermärkten in den Regionen Europa, Asien-Pazifik, Nord und Südamerika, Baltikum und Naher Osten wurden Ende Oktober und Anfang November 2006 via Internet 25.408 Verbraucher nach ihren Ansichten zum Thema globale Erwärmung gefragt.
„Offensichtlich waren extreme, lebensbedrohliche Wetterverhältnisse nötig, um die Botschaft von den Gefahren des Klimawandels in den Köpfen der Menschen zu verankern und die Dringlichkeit eines globalen Handelns zu verdeutlichen“, sagt Patrick Dodd, President von ACNielsen Europe. „Dabei überrascht es nicht, dass die größte Besorgnis dort geäußert wurde, wo die Menschen in den letzten Jahren stark unter den Auswirkungen des Klimawandels zu leiden hatten.“ So konstatierte ACNielsen das höchste Bewusstsein für dieses Thema in der Tschechischen Republik: Dort ist „globale Erwärmung“ für 99 Prozent der Befragten ein Begriff, gefolgt von China, Portugal, Russland und Thailand mit jeweils 98 Prozent. Auch in der Schweiz ist globale Erwärmung für 97% der Befragten ein Begriff (siehe Chart 1).
Untersuchte Länder:
Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien, Chile, China, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Hongkong, Indien, Indonesien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Korea, Lettland, Litauen, Malaysia, Mexiko, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Philippinen, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien, Südafrika, Taiwan, Thailand, Tschechische Republik, Türkei, Ungarn, USA, VAE und Vietnam.
Europa und Lateinamerika: starkes Bewusstsein, große Besorgnis
Insgesamt sind sich in Europa 95 Prozent der Verbraucher der globalen Erwärmung bewusst. Dass Tschechien diese Zahl noch übertrifft, liegt vermutlich daran, dass man sich dort noch sehr genau an das Jahrhunderthochwasser im August 2002 erinnert. Alleine in Prag mussten 40.000 Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen, und wichtige Baudenkmäler trugen erhebliche Schäden davon.
Genau ein Jahr später erlebte Europa die größte Hitzewelle seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Schätzungen zufolge forderten die extremen Klimabedingungen 35.000 Menschenleben -- 14.804 davon in Frankreich, wo 80 Prozent der Befragten die globale Erwärmung für ein „sehr ernstes Problem“ halten. Damit liegt Frankreich weit über dem europäischen Durchschnitt von 57 Prozent der Nennungen in dieser Kategorie. Auch die Schweiz liegt mit 67% Nennungen bei „sehr ernstes Problem“ über dem europäischen Durchschnitt. Zusätzlich erkennen 29% der Schweizer die globale Erwärmung als „ziemlich ernstes Problem“ (siehe Chart 2).
Getoppt wird Frankreich im internationalen Vergleich nur von Brasilien, wo 81 Prozent der Verbraucher von der hohen Dringlichkeit des Problems überzeugt sind. Insgesamt schlägt Lateinamerika Europa in beiden Feldern: So sind sich dort 96 Prozent des Klimawandels bewusst, und immerhin 75 Prozent halten das Problem für äußerst ernst. „Diese Besorgnis ist wohl begründet“, kommentiert Dodd. „In Lateinamerika ist die Gefahr von Wirbelstürmen und Springfluten besonders groß. Die Menschen dort sind von landwirtschaftlichen Exportgütern wie Bananen und Kaffee abhängig, und eine Wetterkatastrophe kann von heute auf morgen ganze Dörfer zerstören und Existenzen komplett vernichten.“ Bereits jetzt sind aufgrund der Entwaldung im Amazonasgebiet und des El-Nino-Phänomens häufiger Überflutungen zu verzeichnen, und die Fischbestände sind rückläufig. Laut wissenschaftlichen Prognosen zählt Lateinamerika zu den Regionen, die in den kommenden 20 Jahren am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen sein dürften.
Nordamerika: Sorglosigkeit mit Tradition
In Nordamerika, der Region mit dem höchsten Kohlendioxid-Ausstoß, sind sich laut ACNielsen-Befragung 84 Prozent der Verbraucher der globalen Erwärmung bewusst, allerdings halten sie nur 43 Prozent für ein äußerst ernstes Problem. Besorgnis erregt die Tatsache, dass 13 Prozent der Nordamerikaner angeben, noch nie von globaler Erwärmung gehört oder gelesen zu haben -- mehr sind es nur in den Vereinigten Arabischen Emiraten (16%) und ähnlich viele in Malaysia (11%). Außerdem sind 10 Prozent der Nordamerikaner der Ansicht, es handle sich dabei „überhaupt nicht um ein ernsthaftes Problem“.
„Wenn es um Klimawandel geht, verzeichnen wir in Nordamerika traditionell vergleichsweise niedrige Werte bei Bewusstsein und Besorgnis“, so Dodd. So war die nationale Apathie in den USA sicherlich ein entscheidender Auslöser für Al Gores kontroversen Dokumentarfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ („An Inconvenient Truth“), der von Kritikern als „wichtigster Film 2006“ bezeichnet wurde.
Globale Erwärmung: Vom Menschen verursacht?
Für die Hälfte der Weltbevölkerung (genau 50%) ist die globale Erwärmung eine direkte Folge menschlichen Handelns; 43 Prozent glauben, dass neben dem Menschen auch natürliche Klimaveränderungen für den Treibhauseffekt verantwortlich sind. Auch hier führt Lateinamerika mit 43 Prozent die Rangliste der Regionen an, die ausschließlich den Menschen als Ursache sehen, und wieder sind es die Brasilianer, die mit 70 Prozent den regionalen Durchschnitt erheblich prägen. Nur in China sind mit 73Prozent noch mehr Verbraucher der Meinung, der Mensch sei alleiniger Verursacher der globalen Erwärmung. In Nordamerika teilen lediglich 32 Prozent diese Ansicht, und jeder achte nordamerikanische Verbraucher und damit weltweit der höchste Prozentsatz meint gar, der Klimawandel habe ausschließlich natürliche Ursachen.
In der Schweiz sind 51% der Befragten überzeugt, dass die globale Erwärmung eine direkte Folge menschlichen Handelns ist. 43% glauben, menschliches Handeln und natürliche Klimaveränderungen seien dafür verantwortlich. Nur 5% geben an, ausschliesslich natürliche Klimaveränderungen seien die Ursache (siehe Chart 3).
„Wer davon überzeugt ist, dass der Mensch die Verantwortung für die globale Erwärmung trägt, ist eher zu Verhaltensänderungen zugunsten der Umwelt bereit“, meint Dodd. „Daher ist es schön zu sehen, dass gerade die Bevölkerung der künftigen Wirtschaftsmächte China und Brasilien in dieser Hinsicht besondere Sensibilität demonstriert.”
Chart 1:
Chart 2:
Chart 3:
Über ACNielsen
ACNielsen, ein Unternehmen von „The Nielsen Company“, ist das weltweit führende Marketing-Informationsunternehmen. In über 100 Ländern erfasst und analysiert ACNielsen Marktentwicklungen, Verbrauchereinstellungen und Verbraucherverhalten. Kunden bauen auf die Marktbeobachtung, die Analyse-Instrumente und die professionelle Beratung von ACNielsen, wenn es um die Erschließung neuer Geschäftsmöglichkeiten, die Maximierung der Effizienz ihrer Marketing- und Verkaufskampagnen oder um Wettbewerbsanalyse geht. Weitere Informationen finden Sie unter www.acnielsen.com.
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The Nielsen Company ist ein globales Informations- und Medienunternehmen mit führenden Marktpositionen und anerkannten Marken in den Bereichen Marketing Information (ACNielsen), Media Information (Nielsen Media Research), Business Publications (Billboard, The Hollywood Reporter, Adweek) und Fachmessen. Mit seinen mehr als 42.000 Beschäftigten ist das Unternehmen in über 100 Ländern aktiv. The Nielsen Company befindet sich in Privatbesitz und verfügt über Zentralen in Haarlem (Niederlande) und New York (USA).
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